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BEWERTUNG & APPELL

Wie wollen wir wohnen – und wie wollen wir Zermatt sehen?

Warum der Wildsteg die bessere Antwort ist als phallische Architektur mit Luxuswohnungen und Autosilo

Kurz-Einleitung für Schnellleser:

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Der geplante 260-Meter-Turm mit Luxuswohnungen, Entertainment und Autosilo ist vor allem ein Prestigeprojekt und ein Beispiel phallischer Architektur. Er löst die Wohnungsnot nicht, erzeugt leere Betten und neue Verkehrslasten und setzt auf einen Luxusmarkt, der steuerlich gar kein Interesse hat, seinen Hauptwohnsitz nach Zermatt zu verlegen. Der Wildsteg dagegen schafft echte Erst- und Personalwohnungen, stärkt die Steuereinnahmen, fördert Gemeinschaft und respektiert Landschaft und Recht.

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A. Steuern, Luxuswohnungen und leere Betten​

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Neue Luxuswohnungen in Zermatt können aufgrund des Zweitwohnungsgesetzes nicht einfach als klassische Zweitwohnungen verkauft werden. Werden sie nicht touristisch betrieben, müssen sie als Erstwohnungen bewilligt werden. Das bedeutet:

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  • Käufer*innen müssen ihren Hauptwohnsitz formell in Zermatt anmelden. 

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Für sehr Vermögende ist der Hauptwohnsitz aber vor allem eine Steuerfrage. In der Schweiz sind insbesondere Gemeinden im Kanton Zug sowie in Teilen von Schwyz, Nidwalden und anderen Innerschweizer Kantonen für extrem tiefe Steuern bekannt – dort befinden sich die steuergünstigsten Wohnorte des Landes.

 

Zermatt gehört nicht zu diesen Tiefsteuerparadiesen. Für viele reiche Menschen ist es daher unattraktiv, ihren steuerrechtlichen Hauptwohnsitz hierher zu verlegen – selbst wenn sie gerne Zeit in Zermatt verbringen.

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Die Folge:

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  • Die Luxuswohnungen lassen sich als „Erstwohnungen“ nur schwer verkaufen,

  • oder sie werden zwar formell als Erstwohnsitz geführt, aber faktisch nur sporadisch genutzt.

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Es droht genau das, was Zermatt eigentlich vermeiden will:


Leere Betten. Verwaiste Wohnungen. Scheinerstwohnungen.

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Man tut so, als würde man dort wohnen – in Wirklichkeit sind es edle Freizeit- oder Renditeobjekte. Oft werden solche Wohnungen dann:

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  • über Agenturen kurzfristig vermietet,

  • als „Serviced Apartments“ für Gutbetuchte angeboten,

  • oder sie stehen einen grossen Teil des Jahres einfach leer.

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Wenn der Verkauf der Luxusapartments stockt, liegt es nahe, einen Teil des Turms in eine Art hotelähnlichen Betrieb umzuwandeln: sehr teure, serviced Apartments für reiche Gäste. Genau das erlaubt das Zweitwohnungsgesetz: zusätzliche Einheiten, wenn sie touristisch bewirtschaftet werden. 

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Damit hätte man am Ende:

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  • noch mehr touristische Betten,

  • aber nicht mehr bezahlbare Wohnungen für Einheimische und Personal.

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Völlig am Ziel vorbei.

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Der Wildsteg geht genau den umgekehrten Weg:

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  • 100 % Fokus auf Erstwohnungen für Menschen, die hier tatsächlich leben.

  • Jede bewohnte Einheit bringt Steuereinnahmen und Leben ins Dorf.

  • Keine spekulative Luxusvermarktung, die am Ende in leerstehenden Apartments endet.​

B. Phallische Architektur und Autosilo – Symbol statt Lösung​

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Mit 260 Metern Höhe würde der Turm sämtliche Schweizer Hochhäuser klar überragen. Der Roche-Turm in Basel mit 205 Metern wäre deutlich kleiner. 

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Das ist kein zufälliger Nebeneffekt, sondern ein bewusster Anspruch: „Wir bauen das höchste Gebäude der Schweiz.“ Genau hier beginnt die Symbolpolitik:

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Es geht um Grösse, Sichtbarkeit, Schlagzeilen – nicht primär um eine leise, solide Lösung für die Wohnungsnot.

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Ein solcher Rekordturm mitten im alpinen Talboden ist ein Musterbeispiel phallischer Architektur: Dominanzgestus in Beton, der die Landschaft überhöht und das Mattertal architektonisch „übertrumpfen“ will.

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Das grosse Autosilo im Sockel – in einer Destination, die offiziell autofrei ist und den Autoverkehr auf das Terminal Täsch konzentriert – verschärft den Widerspruch zusätzlich. 

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Der Wildsteg setzt dagegen auf:

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  • Massstab statt Rekord,

  • Bahnanschluss statt Autosilo,

  • Eingliederung in die Landschaft statt Dominanzgestus.

C. Anonymität im Turm, Gemeinschaft im Wildsteg

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Ein 260-Meter-Turm mit dutzenden Stockwerken produziert vertikale Anonymität:

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  • Man begegnet sich kurz im Lift.

  • Viele Luxuswohnungen sind selten bewohnt.

  • Es gibt wenig Anlass, sich kennenzulernen oder gemeinsam etwas aufzubauen.

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Der Wildsteg ist bewusst als „horizontales Dorf“ gedacht:

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  • Mit Plätzen, Höfen, Gemeinschaftsräumen.

  • Mit Durchmischung von Altersgruppen und Berufen.

  • Mit Holz, Grün, Licht und Begegnungszonen.

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Hier kann Gemeinschaft wachsen. Kinder kennen ihre Nachbarn, Erwachsene begegnen sich im Alltag, nicht nur zufällig im Lift. Das ist der Unterschied zwischen einer Wohnmaschine und einem Wohnquartier.

D. Wirtschaftlichkeit, Risiko und Verantwortung

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Der Wolkenkratzer ist ein Projekt mit gewaltigem Klumpenrisiko:

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  • Sehr hohe Investitionskosten.

  • Abhängigkeit vom Luxusmarkt.

  • Politische Unsicherheit durch Umzonung und Bewilligungsverfahren.

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Scheitert der Verkauf der Luxuswohnungen oder die politische Bewilligung, scheitert das Projekt – und Zermatt hat wertvolle Zeit verloren.

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Der Wildsteg:

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  • ist mit ca. 100 Mio. CHF klar kalkulierbar,

  • lässt sich etappenweise realisieren,

  • ist auf eine Zielgruppe ausgerichtet, die bereits da ist: die Menschen, die hier arbeiten.

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Er stärkt Steuereinnahmen, Kaufkraft und soziale Substanz – ohne Wetten auf internationale Luxusklientel.

E. Schlussgedanke

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Am Ende steht eine einfache, aber grundlegende Frage:

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  • Wollen wir ein Prestigeobjekt im Stil phallischer Architektur, mit Luxuswohnungen, Autosilo, leeren Betten und einem hohen finanziellen Risiko?

  • Oder wollen wir ein bodenständiges, sozial und ökologisch sinnvolles Wohnprojekt, das Zermatt als Lebensort stärkt?


Der Wildsteg steht für:

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  • bezahlbaren Wohnraum für rund 650 Menschen,

  • klare Erstwohnsitz-Nutzung und damit Steuereinnahmen vor Ort,

  • Gemeinschaft statt Anonymität,

  • Holz, Grün und Ökologie statt Betonmonolith,

  • Bahn statt Autosilo,

  • und die Nutzung einer bestehenden Industriezone, ohne zusätzliche Landschaft zu verbauen.

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Er ist kein architektonischer Bluff, sondern eine konkrete Einladung:

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Lassen wir Zermatt ein Dorf bleiben, in dem man nicht nur arbeitet und kassiert – sondern in dem man wirklich leben kann.

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