LÖSUNGSWEGE
Wolkenkratzer oder Wildsteg? Zwei völlig verschiedene Antworten
Ein 260-Meter-Turm im Talboden versus ein topografisch integrierter Wohnsteg in der Industriezone
Kurz-Einleitung für Schnellleser:
Eine Idee: Wir bauen einen 260 Meter hohen Turm auf Landwirtschaftsland, mit Luxuswohnungen, Entertainment und grossem Autosilo – und hoffen, dass ein Teil davon bezahlbare Wohnungen enthält. Die andere Idee: Wildsteg – ein schlankes, in die Topografie eingebettetes Holzbauwerk in der bestehenden Industriezone, mit klarer Ausrichtung auf Einheimische und Personal, ohne Touristenwohnungen, ohne Autosilo, ohne Luxus.
A. Der Wolkenkratzer – maximale Höhe, maximales Risiko
Der geplante Turm – oft «Lina Peak» genannt – soll etwa 260 Meter hoch und über 60 Stockwerke haben. Damit wäre er deutlich höher als der Roche-Turm Bau 2 in Basel, der mit 205 Metern und 50 Geschossen heute das höchste Gebäude der Schweiz ist.
Der Turm kombiniert:
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Untere Etagen: Wohnungen für Einheimische und Personal.
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Obere Etagen: Luxuswohnungen für sehr vermögende Käufer*innen.
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Im Sockel: ein grosses Autosilo, ein Konzertsaal, Sportzentrum, Schwimmbad, Gastronomie, Shops und weitere Entertainment-Flächen.
Auf den ersten Blick wirkt das wie ein „Alles-in-einem“-Projekt. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich:
1. Rekordhöhe als Selbstzweck
Das Projekt will bewusst das höchste Haus der Schweiz werden. Das hat mit dem Zermatter Wohnungsproblem wenig zu tun, sondern ist ein klassischer Fall von phallischer Architektur: ein übersteigerter Höhenrekord als Symbol, nicht aus funktionaler Notwendigkeit.
2. Umzonung von Landwirtschaftsland
Der Turm soll auf heute landwirtschaftlich genutzten Flächen im Talboden stehen. Dafür braucht es eine Umzonung in Bauzone – politisch heikel, rechtlich riskant, mit ungewissem Ausgang.
3. Autosilo in der autofreien Destination
Zermatt ist offiziell autofrei; wer mit dem Auto anreist, parkiert in Täsch und fährt mit dem Zug weiter. Das Matterhorn Terminal Täsch wurde genau dafür geschaffen und bietet über 2’000 gedeckte Parkplätze sowie direkten Anschluss an den Shuttlezug. Ein zusätzliches Autosilo am Turm widerspricht dieser Logik und zieht Verkehr dorthin, wo man ihn eigentlich vermeiden will.
4. Luxus, Entertainment – und das Wohnproblem am Rand
Ein grosser Teil der Fläche ist auf Luxuswohnungen und Entertainment ausgerichtet. Die Wohnungen für Einheimische und Personal dienen als Begründung, nicht als klares Nutzen-Ziel.
5. Anonymität statt Nachbarschaft
In einem 260-Meter-Turm trifft man sich höchstens im Lift oder in anonymen Korridoren. Vertikale Stapelung in dieser Extremform erzeugt Anonymität, keine Dorfgemeinschaft.
B. Der Wildsteg – Wohnraum entlang der Topografie
Der Wildsteg ist das Gegenmodell:
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Kein Rekordturm, sondern ein horizontaler Steg, der sich an die bestehende Topografie anlehnt.
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Kein Eingriff ins offene Landwirtschaftsland, sondern Nutzung der bestehenden Industriezone mit Beton- und Kieswerk.
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Kein Mix aus Luxus, Entertainment und Autosilo, sondern konsequenter Wohnbau für Einheimische und Personal.
Standort: Industriezone statt Talboden
Der Wildsteg wird in der Zone geplant, in der heute das Beton- und Kieswerk steht – also dort, wo bereits industriell gearbeitet wird. Diese Zone ist:
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bereits erschlossen,
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robust,
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gewohnt an Lastwagen, Staub und Lärm.
Der Wildsteg verdrängt die Industrie nicht, sondern integriert sie:
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Staub- und lärmintensive Teile können überdacht und eingehaust werden.
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Produktion und Logistik können weiterlaufen, teilweise sogar effizienter und umweltverträglicher.
So entsteht zusätzlicher Wohnraum, ohne neue Landschaft zu verbauen.
C. Der Wildsteg im Detail – Kosten, Gemeinschaft, Architektur
Kosten und Kapazität
Der Wildsteg ist bewusst realistisch dimensioniert:
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Investitionsvolumen: ca. 100 Mio. CHF.
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Kapazität: Wohnraum für etwa 650 Menschen.
Das ist viel – ohne Grössenwahn. Es ist ein konkreter, finanziell darstellbarer Schritt zur Entlastung des Wohnungsmarkts.
Mieten und Zielgruppe
Ziel sind wirklich bezahlbare Mieten:
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Einfache Zimmer und kleine Einheiten etwa im Bereich CHF 500.– bis 800.– pro Monat.
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Unterschiedliche Wohnungsgrössen für Singles, Paare und Familien.
Adressiert sind:
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Mitarbeitende aus Hotellerie und Gastronomie,
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Angestellte im Detailhandel, bei Bergbahnen, in Handwerk und Dienstleistungen,
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Einheimische, die im Dorf wohnen bleiben wollen.
Keine Touristenwohnungen, kein Luxus, kein Entertainment
Der Wildsteg verzichtet bewusst auf alles, was am Kernproblem vorbeigeht:
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Keine Touristenwohnungen.
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Keine Zweitwohnungen.
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Keine Luxusapartments.
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Kein Entertainment-Center.
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Kein Autosilo.
Es geht um etwas sehr Einfaches: Menschen, die in Zermatt leben und arbeiten, sollen dort auch wohnen können.
Gemeinschaft statt Anonymität
Der Wildsteg ist als soziales Wohnbauwerk geplant:
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Gemeinschaftsräume für Kochen, Treffen, Kurse, Musik, Bewegung.
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Interne kleine „Dorfplätze“ und Höfe, auf denen Kinder spielen und Erwachsene sich begegnen.
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Räume für Kinderbetreuung, Jugendarbeit, gemeinsame Projekte.
So entsteht ein lebendiges Quartier mit Gesichtern und Geschichten – kein anonymer Wohnturm, in dem man sich nur im Lift sieht.
Architektur: Holz, Wärme, Natur
Der Wildsteg setzt auf Holzarchitektur:
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Holz sorgt für ein warmes, angenehmes Raumklima.
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Es wirkt wohnlich statt kühl-technisch.
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Wo möglich, soll Holz aus der Region verwendet werden.
Das Dach des Wildsteg wird begrünt:
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mit Tannen, Sträuchern und Grünflächen,
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als kleine Landschaft mit Aufenthaltsbereichen,
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als Brücke für Wildtiere, die von einer Talseite zur anderen wechseln können.
Der Wildsteg ist damit nicht nur Wohnraum für Menschen, sondern auch ein ökologischer Korridor für Tiere.
Mobilität: Bahn statt Autosilo
Der Wildsteg setzt konsequent auf öffentlichen Verkehr:
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keine zusätzlichen Parkgaragen oder Autosilos,
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stattdessen ein direkter Bahnanschluss mit Haltestelle in unmittelbarer Nähe,
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von der Bahn gelangen die Bewohner*innen direkt mit Liften oder kurzen, gedeckten Wegen zu ihren Wohnungen.
Wer Schichtarbeit hat, kommt auch frühmorgens oder spätabends sicher, trocken und bequem nach Hause – ohne zusätzlichen Autoverkehr im Tal zu erzeugen.
Steuern und Wertschöpfung
Alle Wohnungen im Wildsteg sind Erstwohnungen:
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Die Bewohner*innen melden ihren Hauptwohnsitz in Zermatt an.
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Sie zahlen hier ihre Gemeinde- und Kantonssteuern, konsumieren im Dorf, engagieren sich im Vereinsleben.
Das stärkt die Steuerbasis der Gemeinde langfristig – breit, stabil und sozial verankert.




